Podersdorf zwischen Fegefeuer und Sintflut

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Sechs Trirunner am Start beim 24. Austria Triathlon in Podersdorf, der die Athleten durch Hitze, Sturm und Regenwände schickte.



Der Austria Triathlon in Podersdorf ist ein schnuckeliger Bewerb: weinselige Location mit eindeutigem Flair von Urlaub, eine hoch professionelle Organisation, die alles überschaubar und strukturiert hält, entspannte Athleten – auch die Langdistanzler. In Summe also eine überaus familiäre und angenehme Atmosphäre, in welcher auch die Staatsmeisterschaft in der Langdistanz eingebettet ist (Staatsmeister: Andreas Fuchs; Monika Stadlmann). Anheim sind dem angenehmen Wettbewerbsplatz allerdings wetterbedingte Rahmenbedingungen, die den Triathleten ob der bislang gewonnen Erfahrungen lang vor dem Bewerb sinnieren lassen: Wird der Schwimmer durch die Wellen gepeitscht bis ihm kotzübel ist? Verfängt sich der gemeine pannonische Flachlandwind in der Rennmaschine und wie manövrierunfähig wird diese dann werden? Und welch kreislaufdestabilisierende Faktoren wird der Lauf durch die Hölle wohl dieses Mal haben?


Seliger Beginn mit stürmischem Ende
Begonnen hat Podersdorf heuer jedoch überaus friedlich und ganz im Sinne eines Triathleten. Der auf 7 Uhr vorverlegte Start beim Leuchtturm lies den Schluss auf einen prächtigen Wettbewerbstag zu. Eine nahezu spiegelglatte Wasseroberfläche breitete sich vor den Athleten aus. 27 Grad Wassertemperatur resultierten in einem diskussionslosen Neoverbot, das überaus angebracht war. Der Neusiedlersee zeigte sich von seiner besten Seite: ruhig, irgendwie noch seichter als üblich und selbst der schlammige Karpfengeschmack hielt sich in Grenzen. Optimal auch die Streckenführung mit gut sichtbaren Bojen. Selbst der semiprofessionelle Beckenrandschwimmer und jener unvermeidliche Teil Sportler, die jesusmäßig durch den See waten statt zu schwimmen konnten keine Gründe zum Raunzen über den Schwimmteil finden. Alles perfekt.

Die Radstrecke meinte es anfänglich auch gut. Die Temperaturen hielten sich in den frühen Vormittagsstunden noch in erträglichen Grenzen, der Wind tat das auch. Dass zusätzlich angebrachte Verkehrsschilder ordentlich seitlich und nicht inmitten der Straße aufgestellt werden sollten, ist ein Organisationsfehler, der leicht ein unangenehmes gerichtliches Nachspiel haben könnte. Der einmal in Fahrt gekommene Triathlet gibt kein Beispiel für defensives Fahren ab. Mit strengem Blick nach unten und einem flotten 40er in den Beinen hat das Reinkrachen in eine unüberlegt aufgestellte Vorranggeben-Tafel nur einen reduzierten Funfaktor. Gott sei Dank ging das Speeddating zwischen Athlet und Vorranggeben-Tafel glimpflich aus – für beide! Auf ihrer zweiten Runde holte die Mitteldistanzler der Wind ein. Anfänglich für burgenländische Verhältnisse noch im Rahmen, doch mit eindeutiger Tendenz zum stärker werden. Die Landdistanz-Athleten sahen sich über 2/3 ihrer Strecke schließlich mit den üblichen Windverhältnissen konfrontiert. Saftige Windböjen, die immer von der falschen Seite kommen. Mit den um die Mittagszeit rasch und empfindlich zunehmenden Temperaturen mutierte die burgenländische G`stätten schließlich zu einem wüstenähnlichen Ding, der wahrlich schweisstreibende Abschnitt des Bewerbes hat begonnen und lies die ersten Athleten ein Erreichen der Finisherline gedanklich in Frage stellen.

Eindeutig die A-Karte an diesem Tag gezogen hat der Laufteil. Just als das Gros der Läufer auf der Strecke war, zeigte das Thermometer den Tageshöchstwert von 36 Grad an. Dem Lauf durch die Hölle stand nichts im Weg, der Windstöße fühlten sich auf der Haut wie kleine Glutnester an. So oder so ähnlich muss wohl auch das Fegefeuer sein. Wer den Kopf nicht ständig auf Kühlung hielt und mehr als ausreichend trank, hatte mit hochgelagerten Beinen seitlich in der Wiese liegend wieder die ersten Dämmergedanken an den Bewerb. Doch wer meint, mit der Hitze waren die Sportler gestraft genug, der irrt. Wie von Geisterhand schlug am späten Nachmittag das Wetter um. Von Wind keine Rede mehr, Sturm kam auf. Plötzlich. Die unmittelbare Gefahr für die Athleten ging nicht mehr von der Hitzekeule aus, sondern von Sonnenschirmen, welche von den Tschecherl-Terrassen in Richtung Laufstrecke abhoben. Über den See braute sich ein Unwetter vom Feinsten zusammen. Tiefschwarze Wolkentürme, Blitze zogen am Horizont nieder. Die Zuschauer verzogen sich in Windeseile in die Gaststätten, die Surfer sahen zu, dass sie aufs Wasser kamen, die armen Läuferseelen blieben alleine zurück. Kurz dachte der Veranstalter über ein Abbrechen des Bewerbes nach. Schließlich setzte auch der Regen ein. Die zehn, fünfzehn Triathleten, die sich  zur Abendessenszeit noch einmal Hölle und zurück gaben, zeigten ein hohes Maß an Sportlerqualität. Zuerst von der Hitze platt gemacht, dann durch den Wind gebeutelt und schließlich wie aus Kübeln abgeduscht, kombiniert mit einem saftigen Temperatursturz und völlig menschenleeren Laufwegen zeigten sie echtes Durchhaltevermögen. Hut ab, vor so viel Ambition und auch Mut zum Weitermachen.


Die Trirunner auf der Mitteldistanz
TriRun Linz gab Podersdorf auch heuer die Ehre. Nachdem Markus Sageder krankheitsbedingt seinen Start auf der Langdistanz absagen musste, blieben mit Dominik Weber, Carlos Mitteregger und Peter Weichselberger drei Einzelstarter sowie mit Jaqui Tausz, Wolfgang Ursprung und Christine Widmann eine Staffel auf der Mitteldistanz über. Über alles bemerkenswert ist der Erfolg des 23-jährigen Dominik Weber. Erst seit wenigen Tagen Mitglied bei Trirun, ist der Technikstudent ein aufgehender Stern am Triathlonhimmel und verdient gezielt Beachtung. In 5h17 brachte er seine erste Mitteldistanz heim. Diese Zeit verwundert umso mehr, als Dominik neben den üblichen vier Disziplinen – swim, bike, run und Wechselzone – noch einige Spezialdisziplinen absolviert hat: Anspülen am Wasser ungefähr 150 Meter vom Schwimmausstieg entfernt, Wechselplatz nicht gefunden, auf der Radstrecke verfahren, Wechselplatz nicht gefunden, Wendepunkt beim Laufen zu spät erkannt, verlaufen, am Zieleinlauf vorbeigeschnurlt. Den Zielbogen allerdings hat er auf Anhieb getroffen, nachdem ihn liebe Menschen wieder auf den richtigen Weg gebracht hatten. Bravo Dominik, weiter so und konsequent an der Orientierung arbeiten.

Dominik Weber strahlt mit der Sonne um die Wette.


Einen perfekten-sehr perfekten-mäßig perfekten Tag hatte Carlos. Nach einer soliden Schwimmleistung ritt er seinen selbstgebastelten Roten Baron ordentlich durch die burgenländische Prärie. Die Rennmaschine lief auf Hochtouren und schoss Carlos mit den besten Voraussetzungen in den Laufkanal. Die brütende Hitze – kombiniert mit hartnäckigen Schmerzen am Bein - schmälerten die Laufleistung ein wenig, doch am Ende ging sich mit 4.57 eine eindeutige sub 5er Zeit aus, welche die Erwartungen mehr als erfüllte und Carlos so happy machten, dass er ganz viel danach feiern musste. Peter Weichselberger gab nach einer längeren Trainings- und Wettbewerbsabstinenz seinen Wiedereinstieg ins Tri-Geschehen. Als guter Schwimmer fordert er zunächst einen See, in dem man nicht stehen kann. Auf der Radstreckte grumelte ein Radteil so bedenklich, dass Peter Wartungsarbeiten einlegen musste. Daran schloss eine Fast-Kollision zunächst mit einem Kreisverkehr, in der Folge auch mit einem Feuerwehrmann an. Den richtigen Prügel versetzte ihm schließlich die Lauferei. Peter gehört in jedem Fall zu den Hitzeopfern, die beim Laufen aufs Laufen verzichten und als Preis für das Erreichen des Zieles aufs Gehen umstellen mussten.

Im Staffelsandwich schließlich bildete Christine Widmann den swim-Boden, Wolgang Ursprung den Rad-Belag und Jaqui Tausz den Lauf-Deckel. Für die Staffel lief es rund, jeder war in seinem Part firm und motiviert unterwegs. Der Teamgedanke und der Spaß standen eindeutig im Vordergrund. So wurden schon am Vortag des Bewerbs die drei Flaschen Wein im Starterrucksack vernichtet. Sehr entspannt klopfte die Staffel ihre Sache am Bewerbstag herunter, ständig in der Vorfreude auf und getrieben von der after-Race-Party. In Summe ging sich mit einer Zeit von 5.19 eine respektable Platzierung im Staffelmittelfeld aus.


Bravo Podersdorf
Den Veranstaltern in Podersdorf ist mit Hochachtung ein großes Lob auszusprechen. Der Austria Triathlon ist ein Bewerb, an dem es nicht mehr viel zu verbessern gibt. Die Anmeldung zum nächsten Austria Triathlon, dem 25. Jubiläumsbewerb, ist bereits möglich, bis Ende Oktober auch noch zum alten Preis und versehen mit einem special edition package. Also nichts wie zulangen.











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