
Radmarathon Wachau 2011
20. Juli 2011
Radmarathon Wachau – die Langdistanz über 180 km und 3000 Höhenmeter ist eine der anspruchsvollsten Strecken abseits der Alpen – vor Allem am heißesten Tag des bisherigen Jahres…
Was ist schlimmer als 4 Stunden Dauerregen beim Radfahren? (siehe Bericht Mondsee RM von Stefan) – genau – 6 Stunden OHNE eine Wolke am Himmel und Temperaturen jenseits der 30 Grad (im Schatten, den gab es aber nur sporadisch). Genau diese Zutaten machten vor allem den Startern auf der langen Strecke zu schaffen – mehr als 30 von ca. 200 Startern gaben auf, und ich war so nah dran, wie noch nie – dazu aber später.
Dem Veranstalter kann man – wie jedes Jahr – zu einem routinierten, top-organisierten Event gratulieren (geringe Wartezeiten trotz hoher Teilnehmerzahl, perfekte Absicherung der Strecke, zusätzliche Laben aufgrund der Hitze, super Streckenmarkierung mit Warnung vor gefährlichen Abfahren, Segen des örtlichen Pfarrers etc.), genau 1 Sache ist aber die größte Schnapsidee, die mir je bei einem solchen Event untergekommen ist: Um alle Sportler beisammen zu haben, wenn die Hauptsponsoren und der Landes-Erwin (Pröll – im grauslichen neongelben Raddress) Ihren Senf abgeben, ist für alle Start um 9 Uhr. Man lässt aber dann zuerst die 200 Starter der Langdistanz starten und zum selben Zeitpunkt (30 Meter dahinter) die 750 Starter der kurzen Distanz (97 km, 1100 HM) – den Rest kann man sich schon denken – die Hitzköpfe der kürzeren Distanz mischen die armen Schweine vor ihnen auf, auf den ersten 15 gemeinsamen Kilometern (flach, leicht bergab) herrscht Anarchie, das Tempo ist für uns "Lange" extrem hoch und man kommt mit Maximalpuls am Berg an.
Bei meinem ersten Start vor 4 Jahren ist mir genau in dieser Phase des Rennens auch noch der Reifen geplatzt, das war meines Wissens die zweitgefährlichste Situation meines Lebens (die gefährlichste war vor Jahren, als ich meiner seinerzeitigen Freundin gedankenverloren bestätigt habe, dass sie in der neuen Hose wirklich einen etwas dicken Hintern hat – dies aber nur am Rande), dieses Jahr ging alles gut, man schüttelt halt immer wieder den Kopf, wieviel manche in dieser Phase riskieren, Kreisverkehr verkehrt fahren, überholen, wo kein Platz ist usw.
Am Berg kehrt aber dann Ruhe ein, auf den ersten 100 km absolviert man ca. 2000 HM, wichtig ist, eine gute Gruppe zu haben – wenn man die verliert, ist man teils sehr lange alleine unterwegs. Meine Gruppe war gut – sehr gut sogar – nämlich zu gut für mich und bereits nach 90 km hatte ich Krämpfe vorne im Oberschenkel, bei km 100 kamen Oberschenkel innen und außen dazu, bei km 120 die Waden und ab km 150 sogar der Trizeps (genau, das ist der am Arm); wenn ich in dieser Situation nicht an die Worte eines guten Freundes gedacht hätte (der der Meinung ist, dass die Stadt aus einem einst stolzen Mühlviertler ein ganz ein schönes Weichei gemacht hat), hätte ich das Rad in den Graben geworfen und bei der Marillenernte geholfen… ein Trost war sicher auch, dass die Jungs an meiner Seite eigentlich genau so schlecht ausgeschaut haben.
Zumindest kämpferisch war die Leistung somit o.k., die 6 Stunden, die mein Richtwert sind, habe ich dieses Jahr um einige Minuten überschritten (an dieser Stelle Gratulation an Wolfgang Ermeling, der in 5:30 finishte), man muss aber im Verhältnis sehen, dass auch die Siegerzeit immer so um die 5 Stunden liegt – verantwortlich dafür die vielen Höhenmeter hinauf – aber genauso hinunter. Geschätze 25 % der Kurven sind nämlich KEHREN, was man rauf gestrampelt ist, wird runter zum Großteil in Bremsenergie verwandelt, in manchen Abschnitten ist man somit echt fertig, wenn man sieht, wie die Kilometer am Tacho schleichen..
Im Jahresplan ist dieser Wettkampf eigentlich der einzige, der mit meiner Einstellung zum Sport (der Spaß zählt, man gewinnt Lebensqualität) nicht ganz zusammenpasst – Spaß und Lebensqualität sind irgendwann restlos verbraucht – von der Strecke sind dann aber immer noch ca. 50 km und 700 HM übrig; und dann kamen im Ziel auch noch 2 Wiener auf mich zu und haben über die fast deckende Salzkruste in meinem Gesicht gelästert (W1: hat es geschneit oben im Waldviertel? W2: nein, der hat beim Koksen eine Staubexplosion ausgelöst – haha, Wiener Schmäh war noch nie lustig), die Ziellabe bestand aus einem Nudelgericht, alles andere konnte man kaufen. (Und bei unserem Linztriathlon wurde ich gerügt, weil es pro Sportler nur 2 Leberkässemmeln und Apfelstrudel gab oder weil das Gratis-Erdinger um 2 Grad zu warm war – mein lieber Triathlet!).
Die Wachau ist jedenfalls immer eine Reise wert, warum nicht mit dem Radmarathon verbinden, nach einer 6-Stunden Radschlacht reicht genau 1 Gespritzter für ein überraschend ausgewachsenes „Damenspitzerl“ – a propos Damen – Trirunnerin Birgit Seifert finishte erfolgreich über die 97 km. Wenn man mit der Familie fährt, kann man Frau und Kind auf einer eigenen 50 km Tour sinnvoll beschäftigen.
Infos zum Event unter www.wachauer-radtage.at
Ein Bericht von Joe Fleischanderl
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