8 TriHiker am Dachstein

(7 abgegebene Stimmen, mittel: 3.29 von 5)


Rot leuchtet die Felswand! Acht Trihiker machen sich auf, um die 850 Meter aufsteigende Dachstein Südwand zu erobern. Zum ultimativen Gipfelkick auf dem Hohen Dachstein hat es nicht ganz gereicht.


Ein Bericht von Christine Widmann:

Der Bergsport ist für viele Triathleten die wichtigste "Geliebte" in sportlicher Hinsicht. Das mag daran liegen, dass das flotte Dahinpflügen um und auf die Berge ein saugutes Training ist und die eine oder andere Laufeinheit perfekt ersetzt. Das mag aber auch daran liegen, dass man als Triathlet zur Aktivität in der Natur steht und es auch gerne mal extremnaturnah haben will. Die Höhe bewirkt ein superlegales Blutdoping und ausserdem zischt das Weissbier nach dem Berggehen mindestens genau so gut wie nach einer lässigen Triathloneinheit.

Aus diesem Grund hat Trirun schon vor etlichen Jahren die Untergruppe "Trihike" ins Leben gerufen, die nach einer längeren Ruhepause ihre Aktivität wieder aufgenommen hat. Den Auftakt zur neuen Bergserie bildete keine geringere als die Dachstein Südwand. Mit rund 3000 Metern Seehöhe stellt die Dachstein Südwand einen gewaltigen, geschlossenen Gebirgsstock mit wuchtigen Rissen, zerklüfteten Türmen, wunderbar rot schimmernden Felshängen und abfließenden (leider abtauenden) Gletschern dar. Der höchste Gipfel in dieser Formation ist der Hohe Dachstein mit ungefähr 2995 Metern. Über die exakte Höhe sind sich die Vermessungsingenieure bis heute nicht recht einig, genauso wie es Auffassungsunterschiede darüber gibt, ob der Gipfel nun in der Steiermark oder in Oberösterreich zu Hause ist. Der guten Nachbarschaft Willen lassen wir die Grenze durch das Gipfelkreuz verlaufen und machen den Hohen Dachstein sowohl zum höchsten Berg der Steiermark wie auch Oberösterreichs.

Ein ordentlicher Trihiker kümmert sich am Berg ohnedies nicht um Grenzformalitäten, sondern konzentriert sich auf das Wesentliche, das auffi Gehen. Unter der fachkundigen Führung und den nie enden wollenden Erklärungen über die Welt der Dachsteinberge von Bergfex Helmut Ursprung machten sich Wolfgang Ursprung, Barbara und Peter Klingler, Otto Kammelberger, Ritchie Lengauer, Joe Fleischanderl und Christine Widmann auf, um drei Tage lang auf dem großteils kompakten, grau-roten und von Zeit zu Zeit gletscherdurchwachsenen Plattenfels herumzukraxeln. Entlang der Südwand gibt es gefühlte 1000 Möglichkeiten zum Wandern, Klettern und Halbschuhgehen. Letzteres fällt für Trihiker aus. Selbst Otto Kammelberger hat seine besten Wanderschuhe, einen gepflegten Salomon Trailrunner, an die Speedbeine geschnallt, der auf trockenem Fels gute Dienste erwies, beim knietiefen Einsinken in den verflüssigten Gletscherschnee allerdings ein glattes Nicht Genügend ausfasste.

Alles Paletti am Parkplatz.


Warten auf die gute Chance

Wer in der Nähe der Berge lebt und Berge liebt, wer die Bergnatur zu seinem Freizeitraum gemacht hat, der muss auch die Tücken des Berges in Kauf nehmen. Allen voran das Miststück Wetter. Alles andere als gewiss war den motivierten Trihikern der erhoffte Sonnenschein. Prompt kündigte sich der erste Tag gleich mit dichtem Nebel, Wind und Wolken an. Gerade aus der Gondel ausgestiegen schlug die pure Kälte ins Gesicht. Wärmend wirkten da nur die blonden Langlaufmädels vom Russischen Nationalteam, die den Dachsteingletscher für ihr Höhentraining ausgekoren hatten. Für uns Trihiker hieß es zunächst warten auf die entscheidende Wetteränderung. Wie Gerlinde Kaltenbrunner und ihr Team zogen wir uns ins Basislager zurück – in unserem Fall war das das Bergrestaurant – um auf unser Gutes-Wetter-Loch zu hoffen.

Einzig Wolfgang und Helmut Ursprung wagten sich in den Fels und kletterten den Sky Walk durch, einen Klettersteig der Ultra-Schwierigkeitsklasse. Blöderweise wurde das Wetter schlechter. Regen kam auf, und mit dem Regen die ersten Schneeflöckchen. In hochalpinen Lagen kann ohne weiteres innerhalb von wenigen Minuten ein meteorologischer Supergau hereinbrechen. Doch siehe da, um die Mittagszeit riss die Wolkendecke auf, die Nebelschwaden stiebten auseinander und ließen die ersten Blicken auf die imposante Bergkulisse zu. Diese Chance war zu nutzen. Los gings.

Für einen Teil der Trihiker führte der Weg über Gletscher und Fels hin zum Einstieg in den IRG Klettersteig, einen gut zweistündigen mittelschwierigen Steig auf das Koppensteinkar mit einem sich elendiglich in die Länge ziehenden Abstieg. Die zweite Trihiker-Partie entschied sich für eine Rund-Weitwanderung am Fusse der Wand, welche die Laufkanonen Joe Fleischanderl und Otto Kammelberger nicht in den angeschriebenen sechs Stunden, sondern in der halben Zeit absolvierten.


Der Fex vor seinem Berg - Wolfgang Ursprung.


Mach doch was du willst

Wer in das Dachsteinmassiv eintaucht, der findet ein breites Betätigungsfeld vor, vom alpinen Klettern auf den Spuren der Südwanderstbesteiger, den draufgängerischen Ramsauer Steinerbrüdern (1909), bis hin zum Gehen auf gut gesicherten Routen. Der Name Dachstein bürgt scheints für Qualität und das führt dazu, dass sich täglich viele Menschen auf den Berg begeben, an Sonnentagen sind es sogar sehr, sehr viele Menschen, die es wie unkoordinierte Wellen zwischen den Steinen und dem Eis herumspült. Was den Hüttenwirt, die Bergbahn und die Mautstrassenbesitzer sehr freut, ist für den zügigen Kletterer mitunter eine gewaltige Spassbremse.

Der zweite Tag am Dachstein war ein perfekter warmer Sonnentag. Ein richtiger Sommertag, wie fürs Berggehen gemacht. Die Trihikerherzen schlugen hoch. Tagwache um sechs, Sportlerfrühstück, rauf in die Höhe und rein in die Wand – oder besser gesagt ins Getümmel. Schon in aller Herrgottsfrüh bewegten sich – angelockt vom guten Wetter – Hunderte Einheimische und liebe Gäste aus aller Herren Länder Richtung Hinauf. Mit teilweise lustiger Verkleidung wie Riemchenballerinas und Trachtenrockerl kann am Dachstein prinzipiell schon jeder machen was man will, solang die Bergrettung nicht für ihn ausrücken muss. Etwas blöder wird’s am Felsen, auf schmalen Wanderwegen oder beim Ausweichen auf dem abschmelzenden Eis, das zu recht tiefen Bächen werden kann. Kein Platz zum Überholen, aber als Trihiker schafft man auch das, ohne abzustürzen oder sich kaltnasse Füsse zu holen. Erneut entschieden sich Joe und Otto für die Wandervariante bis zur Seethalerhütte auf 2740 Metern Seehöhe.

Ein Trihiker-Teil durchstieg den hinsichtlich körperlicher Herausforderung massiv unterschätzten Anna Klettersteig und stiess schließlich am Wanderweg über den Gletscher bis zur Hütte vor. Wolfgang ging nach der Anna noch den angrenzenden und weiter in die Höhe führenden Johann-Klettersteig an, eine schwierige und lange Kletterroute, bei der ein Kletterer nach dem anderen in der Wand hing und sein Darunter gerne auch mal mit Steinchen beschoss. Auch der Johann endet bei der Seethalerhütte, sodass es auf der gemütlichen Sonnenterrasse letztlich zu einem massiven Trihiker Aufgebot kam. Die Sonnenterrasse ist der perfekte Aussichtspunkt um auf den Gipfel des Hohen Dachstein zu blicken. Was man dort zu sehen bekam, lies nichts Gutes verhoffen. Ein Mensch nach dem anderen kraxelte die letzte Anhöhe auf den Gipfel empor, ebenso viele wollten wieder herunter. Mit freiem Auge war der dichte Gegenverkehr mit massiver Staugefahr in beiden Richtungen zu beobachten. Vermutlich war die Situation auch dem Ö3 Verkehrsfunkt eine Meldung wert.

Am Hohen Dachstein ist nicht viel Platz. Da das Gipfelkreuz stabil ist, setzen sich etliche Menschen zum Jausnen ins Kreuz. Bestimmt war der Hohe Dachstein seinerzeit 3000 Meter hoch, doch aufgrund des massiven Menschenaufkommens wurde der Berg auf 2995 Meter platt gemacht. Wie dem auch sei, die Menschenmassen wirken abschreckend und bei genauer Betrachtung von der gemütlichen Terrasse aus waren sich die Trihiker einig. Lieber noch ein Bier auf der Seethalerhütte und den Bauch gemütlich der Sonne entgegen strecken, als sich die letzten Meter on top schieben und anschließend nach unten stossen zu lassen. Dies stellte den Trihiker-Verzicht auf den ultimativen Gipfelkick dar.

Respekt vor sooo einer Wand.


Wir machen es wieder

Eine gemütliche Wanderung am Montag durch die Silberkarklamm am Fusse des Dachsteinmassivs mit einer rund 40 minütigen knackigen Kletterpartie durch den Siega-Klettersteig und selbstverständliche einem gepflegten Weizen samt Gulaschsuppe in der Silberkarhütte stellte den Abschluss eines feinen Trihiker-Wochenendes dar.

Das Topping auf dem Hike-Spezialmenü war der Hüpfer in das eiskalte Wasser des Gletscherwildbaches, der den wiederum zahlreich anwesenden Gästen bewundernde (oder bemitleidende?) Blicke ins Gesicht zauberte. Unsere Freunde müssen sich jetzt wohl denken, dass das österreichische Bergvolk schon einen speziellen Härtegrad aufweist und hinsichtlich seines gemeinen Verhaltens Auffälligkeiten zeigt. Was sie nicht wissen ist, dass das Abtauchen in den Gletscherbach eine prickelnde Wohltat für den Wanderer ist. Darüber hinaus fügt sich der Bach hervorragend in das Landschaftsbild des Dachsteingebirges ein, das von einer beeindruckenden Vielfalt und Gegensätzlichkeit ist. Schön und faszinierend ist vor allem der Charakter der Südwand, die mit gutem Grund zum Unesco Weltkulturerbe erkoren wurde.

Wie Himmelsleitern stehen die Felsformationen da und lassen einen klein und unbedeutend erscheinen. Gelingt es, das Getümmel am Berg und rund um einen herum auszublenden, eröffnet man sich die Chance, in eine herrliche Bergwelt einzutauchen, die eine Insel für sich in den Alpen darstellt. Die Trihiker haben der Dachstein Südwand das Wiederkommen angekündigt – und dann wird auch das Gipfelkreuz am Hohen Dachstein geküsst. Die Dachstein Südwand hat bisher keinen Einspruch erhoben und würde auch weitere Trihiker sehr freundlich begrüßen. Berg heil und bis zur nächsten Trihike-Aktion.













.

Kommentar schreiben




Sicherheitscode oben stehendes Bild aktualisieren

Bitte tragen Sie den Sicherheitscode wie auf dem Bild ein